Gesprächsrunde zum Antiziganismus mit Frau Filiz Polat (MdB )

Am 26. August diesen Jahres besuchte , die für die nationale Minderheit der Sinti & Roma zuständige Bundestagsabgeordnete des Bündnis 90/Die Grünen, Filiz Polat, den 1. Sinti-Verein Ostfriesland e.V. in Leer, um auch über die aktuelle Situation in Leer und dem vorherrschenden Antiziganismus zu reden.
Ingo Lindemann, Vorstandsmitglied des 1. Sinti – Vereins Ostfriesland e.V., informierte die Gäste über die Projekte, die der Sinti-Verein in den letzten Jahre durchgeführt hat, um die gesellschaftliche Teilhabe der Sinti zu verbessern.
Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist das Thema „Bildung und Teilhabe“, weil dieses – so stellte es sich im Gespräch mit den anwesenden Sinti heraus – für sie einen ganz wichtigen Stellenwert hat.
Nur durch die Zusammenarbeit mit der Selbstorganisation und durch den vertrauensvollen Austausch mit den Schulen ist es möglich geworden Schulabschlüsse zu realisieren.
Ebenso stellten wir nochmals unsere Arbeit gegen den vorherrschenden Antiziganismus in der Gesellschaft dar. Um sowohl bei den finanziellen Engpässen, wie auch bei den zunehmenden Rassismus-Vorwürfen gegenzusteuern zu können, schlug Filiz Polat die Einrichtung eines „Runden Tisches“ mit diversen Beteiligten vor. „Wir kämpfen!“, so eine Sinti- Mutter. Unser Foto zeigt ganz links Ingo Lindemann und ganz rechts den Landtagskandidaten Lüder Müller gemeinsam mit Filiz Polat .

Ausstellung “ Was heißt hier Minderheit?“

Am Montag, dem 25.Juli 2022 wurde mit unserer Beteiligung die Ausstellung “ Was heißt hier Minderheit?“ in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse LeerWittmund in Leer eröffnet. Dieses Ausstellungsprojekt wurde durch das Minderheitensekretariat der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands und des Bundesraat för Nedderdüütsch erstmals realisiert. Auch hier wurde das Projekt bereits tatkräftig vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma unterstützt.

Vorab wurde diese Ausstellung lediglich als Präsentation im „Paul-Löbe-Haus“ des Deutschen Bundestages vorgestellt. Gefördert wird diese Ausstellung durch das Bundesministerium des Innern und für Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Bei uns in Niedersachsen / Ostfriesland nimmt die Ausstellung auf Initiative von Frau Gitta Connemann (MdB) ihre erste Station in Leer ein. Sicherlich ist dem hohen Anteil der deutschen Sinti in Leer / Ostfriesland, im Hinblick auf die Gesamtbevölkerung, hier auch eine Bedeutung zuzumessen.

In den kommenden Jahren wird dieses attraktive Ausstellungprojekt unter Federführung des Minderheitensekretariats in Zusammenarbeit mit dem Minderheitenrat und Bundesrat für Niederdeutsch durch ganz Deutschland wandern. Wir hoffen durch unser Mitwirken hier nochmals die Gewichtigkeit der Beteiligung deutscher Sinti hervorgestellt haben zu können und wünschen uns solch Beteiligung auch an den zukünftigen Ausstellungsorten in den restlichen 15 Bundesländern. In Niedersachsen konnten wir diese Beteiligung am einzigen Ausstellungsort in Leer zu aller Zufriedenheit sicherstellen.

Der Einladung folgend nahm eine Abordnung unseres Vereines an der Eröffnung neben den anderen beteiligten Minderheiten teil. Die vier nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands – Dänen, Friesen, Sorben/Wenden, Sinti und Roma – sowie die Plattsprecher geben in der Ausstellung einen einzigartigen, gemeinsamen Einblick in ihre jahrhundertealte Geschichte und ihre gelebte Gegenwart im heutigen Deutschland. Jenseits gängiger Gruppenklischees präsentiert die interaktive Ausstellung politische Ziele und individuelle Wünsche von Menschen , die ein Leben mit mehreren Sprachen und Kulturen führen.

Am 23.August 2022 fand dann ein wertschätzendes mehrstündiges Treffen der überregionalen und regionalen Politik, den beteiligten Vertretern der Minderheiten sowie den Vertretern der „Ostfriesischen Landschaft“ im Forum der Sparkasse LeerWittmund in Leer statt. Hier stellten wir die Minderheit der deutschen Sinti und Roma in Niedersachsen neben den Vorstellungen der weiteren Minderheiten vor und sprachen miteinander über „unsere Gemeinsamkeiten“. In dieser schönen Veranstaltung ist es uns gelungen, erstmalig die Minderheit der deutschen Sinti und Roma in diesem Rahmen vorzustellen. Hierüber sind wir sehr dankbar und freuen uns über die Bereitschaft und den Willen aller Beteiligten künftige Projekte gemeinsam zu entwickeln.

Wir vom 1. Sinti-Verein Ostfriesland wünschen viel Erfolg und zahlreiche interessierte Besucher für diese informative und beeindruckende Ausstellung.

„Europäischer Holocaust-Gedenktag“ für Sinti und Roma

Anlässlich des Jahrestages der Mordaktion vom 02. August 1944 in Auschwitz-Birkenau, bei welchem an die tragischen Ereignisse der Nacht des 2. auf den 3. August 1944 erinnert wurde, sind wir als 1. Sinti Verein Ostfriesland e.V. der Einladung des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma zur gemeinsamen Gedenkfeier dankend gefolgt.

In der Nacht des 2. August ; in welcher 4.300 Angehörige unserer Minderheit, die das unvorstellbare Leid der Hölle von Auschwitz bis dahin überlebt hatten, wurden nun von der SS in die Gaskammern getrieben, um der bevorstehenden Befreiung zuvor zu kommen.

Nach Anreise der 32 köpfigen Delegation aus Deutschland am 31.07.2022, bestehend aus Überlebenden und Vorständen einzelner Vereine, fanden wir uns im Hotel Campanile in Krakau ein, um gemeinsamen das Abendessen einzunehmen.

Am nächsten Morgen ging es für die gesamte Delegation per Bus nach Auschwitz, wo wir durch einen Vertreter des „Museums Auschwitz“ begrüßt wurden. Dieser stellte uns die pädagogische Vermittlungsarbeit des „Museums Auschwitz“ vor. Im Anschluss besuchten wir dann die Ausstellung der „Verfolgung der Sinti und Roma im Block 13“, wo es für unseren Ehrenvorsitzenden sehr emotional wurde , als er die Namen seiner Eltern auf den Gedenktafeln niedergeschrieben fand.

Später am Tag hieß uns der Direktor der Gedenkstätte, Dr. Piotr Cywinski zur Gedenkzeremonie am Krematorium 5 willkommen. Nach kurzen Ansprachen durch Romani Rose , Roman Kwiatwoski und Mehmet Daimagüler (Antiziganismusbeauftragter der Bundesregierung) wurden Blumenbouquets und Rosen am Krematorium niedergelegt und den Ermordeten gedacht.

Am Dienstag, des eigentlichen Jahrestages, fand um 11:30 Uhr die zentrale Gedenkfeier im Lagerabschnitt B2e in Auschwitz-Birkenau statt. Es sprachen Roman Kwiatkowski (Vorsitzender der Vereinigung der Roma in Polen), Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrat Deutscher Sinti und Roma), Christian Pfeil (Überlebender des Holocaust), Bodo Ramelow (Bundesratspräsident, thüringischer Ministerpräsident, Vertreter des Bundespräsidenten), Helena Dalli (EU Kommissarin für Gleichheitspolitik), Mateusz Morawiecki (polnischer Premierminister), Piotr Cywinski (Direktor Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau) sowie Nataliia Tomenko (Dikh He Na Bister / ternYpe International Roma Youth Network).

Anschließend wurden Blumenbouquets an der Gedenkstähle niedergelegt und der Opfer mit einer Gedenkminute gedacht.

Im Ort Auschwitz fand nach den Gedenkfeierlichkeiten ein Empfang mit weiteren Gästen, darunter unsere Delegation aus Überlebenden und Vorständen, der Bundesratspräsident in Vertretung durch Bodo Ramelow (Ministerpräsident des Freistaates Thüringen), dessen Delegation und weiteren VIP’s statt.

Am Mittwoch trafen sich die Überlebenden und deren Angehörigen im Privathaus von Frau Hölscher-Langner am Stadtrand von Krakau. Hier gab es dann ein Treffen mit polnischen und deutschen jungen Erwachsenen. Die Vorstände verblieben im Hotel in Krakau, wo die Teilnehmer einem Vortrag von Andre´ Raatzsch und Jan Kreutz über die Archiv- und Sammlungsstrategie des Dokumentationszentrums und die neue Dauerausstellung folgten, in anschließender Diskussionsrunde sich austauschten und Ideen zur Umsetzung sammelten.

Am nächsten Tag brachen wir nach einem gemeinsamen Frühstück zur Rückreise auf.